Mammutelfenbein in Schmuck
Vor mindestens 35.000 Jahren schnitzte jemand in einer Höhle der Schwäbischen Alb im Südwesten Deutschlands eine kleine weibliche Figur aus Mammutelfenbein. Wo ihr Kopf sein sollte, ließ der Schnitzer einen Ring stehen. So verwittert er auch ist, trägt dieser Ring noch immer eine Politur, die Nicholas Conard, der den Fund veröffentlichte, als Hinweis darauf deutete, dass die Figur zeitweise als Anhänger getragen worden sein könnte. Wenn dem so ist, war die Venus vom Hohle Fels, eines der ältesten bekannten Werke figürlicher Kunst weltweit, nicht nur ein Kunstwerk. Sie war etwas, das jemand trug.
Nur wenige Materialien können eine solche Geschichte erzählen. Mammutelfenbein wurde von einigen der allerersten modernen Menschen geschnitzt, die Europa erreichten, und es ist bis heute eines der ganz wenigen wirklich uralten Naturmaterialien, die sich noch verarbeiten und tragen lassen. Es stammt von den Stoßzähnen des Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius), eines Tieres der Eiszeit, das seit Tausenden von Jahren ausgestorben ist. Es zu tragen heißt, etwas zu tragen, das lange vor Ihnen existierte und lange nach Ihnen existieren wird.
Getragen seit der Eiszeit
Sie ist nicht allein. In Sunghir bestatteten Menschen vor mehr als 30.000 Jahren ihre Toten, geschmückt mit Mammutelfenbein. Zwei Jungen, Kopf an Kopf in einem einzigen Grab bestattet, wurden von mehr als 10.000 Perlen aus Mammutelfenbein und mehr als zwanzig Armreifen aus Elfenbein begleitet. Ein Mann, der an derselben Stätte bestattet wurde, trug rund 3.000 Perlen, die vermutlich einst auf seine Kleidung genäht waren, und eigene Armreifen aus Elfenbein.
Die Perlen wurden nicht willkürlich aufgereiht. Ketten, die noch in ihrer ursprünglichen Anordnung gefunden wurden, deuten darauf hin, dass ihre Hersteller acht verschiedene Arten von Elfenbeinperlen kombinierten und sie mit erkennbarer Absicht anordneten: mal um eine zentrale Gruppe herum, mal nach Größe abgestuft von einem Ende der Kette zum anderen. Fundstätten gleichen Alters in Süddeutschland zeigen dasselbe Prinzip, verschiedene Perlen zu einer einzigen Kette zu verbinden.
Jede Perle wurde einzeln geformt und durchbohrt: ein geduldiger, bewusster Akt des Schmückens, geschaffen von Menschen, die bereits verstanden, was etwas Schönes, nah am Körper getragen, bedeuten kann.
Ein Material, von der Zeit gefärbt
Mammutelfenbein kommt mit einer bereits gewählten Farbpalette zu uns: gewählt von Mineralien, von Wasser, das sich durch den Boden bewegt, und von Jahrtausenden der Lagerung in gefrorener Erde.
Das Herz des Stoßzahns ist Dentin, das cremeweiße Material, an das die meisten Menschen beim Wort Elfenbein denken. Seine äußere Schicht, die Mammutrinde, erzählt eine andere Geschichte. Eisen- und Manganminerale, die während der Lagerung im Boden an ihrer Oberfläche auskristallisierten, verliehen ihr braune Töne, von hellem Honig bis zu tiefem Schokoladenbraun. In selteneren Stücken hat Vivianit, ein Eisenphosphat, das entsteht, wenn in den Stoßzahn eindringendes Eisen mit dem Phosphat im Elfenbein reagiert, blaue Nuancen hinterlassen. In natürlichem, unbehandeltem Mammutelfenbein sind diese Farben dem Material eigen und keine aufgetragenen Farbstoffe. Wie Rinde und inneres Elfenbein zueinander stehen, wird in „Mammut-Rinde vs. Mammut-Elfenbein: Was ist der Unterschied?“ erläutert.
Quer zum Stoßzahn geschnitten und poliert, kann Mammutelfenbein ein leiseres Geheimnis offenbaren: das Schreger-Muster, eine feine Kreuzschraffur aus gebogenen Linien, die durch die Struktur des Dentins selbst entsteht und nur im Elfenbein von Mammuts, Elefanten und ihren Verwandten zu sehen ist. Es ist eines jener Details, die man mit der Zeit auswendig kennt, wenn man ein Stück trägt.
Keine zwei Stücke Mammutelfenbein haben dieselbe Farbe oder dasselbe Muster. Ein Design lässt sich wiederholen, das Elfenbein darin nicht.
Elfenbein, kein Stein
Mammutelfenbein wird fossiles Elfenbein genannt, und das zu Recht: Es sind die erhaltenen Überreste eines ausgestorbenen Tieres. Doch es ist nicht zu Stein geworden, weshalb es genauer als subfossil bezeichnet wird. Eine in Scientific Reports veröffentlichte Studie stellte fest, dass gut erhaltenes Mammutelfenbein aus dem sibirischen Permafrost in Zusammensetzung und mechanischen Eigenschaften mit dem Elfenbein heutiger Afrikanischer Elefanten vergleichbar ist. Das trägt zur Erklärung bei, warum es sich mit Techniken schneiden, schnitzen und polieren lässt, die Elfenbeinbearbeitern vertraut sind, und dabei die natürliche Struktur und den Charakter des ursprünglichen Dentins behält. Woher es stammt und woraus es besteht, wird ausführlich in „Was ist Mammutelfenbein?“ erzählt.
Zeitlos, nicht altmodisch
Sagt man „Elfenbeinschmuck“, denken manche Menschen noch immer an eine Kamee-Brosche im Schmuckkästchen der Großmutter. Mammutelfenbein hat jedes Recht auf diese Geschichte und keinerlei Verpflichtung, dort zu bleiben.
Betrachten Sie es mit neuen Augen. Seine Farben sind die Farben der Erde, von Creme und Honig über Karamell bis zu tiefem Schokoladenbraun, dazu das seltene, tiefe Blau des Vivianits. Seine Rinde kann roh und strukturiert sein, sein poliertes inneres Elfenbein glatt und leuchtend. Neben poliertem Silber oder Gold, neben einem natürlichen Edelstein oder ganz für sich in einer klaren, schlichten Form wirkt es weniger wie ein Erbstück aus der Vergangenheit als wie etwas Gefundenes. Und genau das ist es.
Deshalb gehört es ebenso selbstverständlich in ein Paar Statement-Ohrringe oder einen Silberring wie in einen dezenten Anhänger, und deshalb passt es zu Leinen und Denim ebenso wie zu einem Abendkleid. In einer Welt identischer, massenproduzierter Accessoires ist ein Stück, dessen Elfenbein es nirgendwo sonst gibt, das Persönlichste, was man tragen kann. Mammutelfenbein folgt keinen Trends. Es wirkt einfach nie fehl am Platz.
Langsam gefertigt, in Deutschland
Unser eigener Handgefertigter Schmuck wird in Deutschland in Kleinserien entworfen und gefertigt und verbindet Mammutelfenbein mit natürlichen Edelsteinen und edlen Metallen wie Silber und Gold. Das Sortiment reicht von handgefertigten Silberringen bis zu Statement-Ohrringen und naturinspirierten Stücken, vom Bohème-Stil bis zum dezent Schicken. Mammutelfenbein verlangt mit seiner Maserung und seiner mitunter empfindlichen Beschaffenheit nach geschickten Händen, und jedes Stück wird so gefertigt, dass es den Charakter seines Elfenbeins zeigt, statt ihn zu verbergen.
Manche Stücke sind Unikate. Andere sind Designs, zu denen unsere Kunden immer wieder zurückkehren, und selbst diese sind nie ganz identisch, weil das Elfenbein in jedem einzelnen anders ist. Wenn Sie ein Stück auswählen, betrachten Sie es als Ganzes: die Farbe und Zeichnung seines Elfenbeins und die Art, wie das Design sie einfasst. Darin liegt seine Individualität.
Für Momente, die nach etwas eigens Gefertigtem verlangen, schaffen wir in Zusammenarbeit mit unseren Kunden Einzelanfertigungen: für eine Hochzeit, als Geschenk oder einfach zum Tragen. Schreiben Sie uns, zu welchem Anlass und mit welcher Idee.
Händler, die unsere Arbeiten anbieten möchten, sind eingeladen, uns zu kontaktieren.
Ein Geschenk jenseits des Gewöhnlichen
Manche Menschen besitzen bereits alles, was man zweimal bestellen kann. Was sie selten besitzen, ist etwas, das es nur ein einziges Mal gibt.
Ein Schmuckstück aus Mammutelfenbein trägt eine Geschichte in sich, die niemand erfunden hat: ein Material, das als Teil eines einzelnen Tieres der Eiszeit wuchs, Tausende von Jahren im gefrorenen Boden Sibiriens lag und von Hand zu etwas geformt wurde, das man trägt. Für sie oder für ihn, zu einem runden Geburtstag, einem Jahrestag, einer Hochzeit oder einfach zu einem Moment, der es wert ist, gefeiert zu werden, sagt es, dass ein Geschenk mit Bedacht gewählt wurde. Und wenn in der Kollektion nichts ganz passt, kann eines angefertigt werden.
Zum Behalten gemacht
Trends ändern sich; ein gut gewähltes Schmuckstück aus Mammutelfenbein kann lange nach der Saison, in der es gekauft wurde, bedeutsam bleiben. Sein Material ist endlich, und neues Mammutelfenbein wird niemals mehr wachsen. Es wird auch nicht durch die Jagd auf ein lebendes Tier gewonnen: Das Wollhaarmammut ist seit Tausenden von Jahren ausgestorben, seine letzte bekannte Population überlebte auf der Wrangelinsel im Arktischen Ozean bis vor etwa 4.000 Jahren. Wie fossiles Mammutelfenbein beschafft und dokumentiert wird und wie sich die Angaben eines Anbieters überprüfen lassen, wird in „Das Geschäft mit ethischem Mammutelfenbein: Beschaffung, Bestimmung und Überprüfung“ dargelegt.
Mit ein wenig Sorgfalt behandelt, kann ein Stück über Jahre getragen und eines Tages weitergegeben werden. Mammutelfenbein ist ein Naturmaterial und möchte als solches behandelt werden; wie man es trägt, reinigt und aufbewahrt, wird in „Pflege von Schmuck aus Mammut-Elfenbein“ erläutert. Die Vorschriften zu Mammutelfenbein unterscheiden sich zudem von Land zu Land, und an manchen Orten ist es eingeschränkt. Lesen Sie daher vor dem Kauf eines Stücks oder bevor Sie eines als Geschenk ins Ausland versenden „Ist Mammut-Elfenbein legal? Ein Leitfaden für Käufer zu CITES, nationalem Recht und Zoll“.
Ein Faden durch die Zeit
Wer auch immer die Venus vom Hohle Fels trug, ist längst vergangen, ebenso wie die Menschen von Sunghir. Das Elfenbein bleibt. Ein Stück davon heute zu tragen heißt, einen Faden aufzunehmen, der bis in die Eiszeit zurückreicht, und ihn ein kleines Stück weiterzutragen.
Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail: info@arcticantiques.com
Bibliografie:
Conard, N. J. (2009). "A female figurine from the basal Aurignacian of Hohle Fels Cave in southwestern Germany". Nature, 459(7244): 248–252. DOI: 10.1038/nature07995. (The Venus of Hohle Fels, carved from mammoth ivory at least 35,000 years ago; the polished ring suggesting that the figurine was at times suspended as a pendant; ivory working by early modern humans in Europe.)
Espinoza, E. O.; Mann, M.-J. (1991). Identification Guide for Ivory and Ivory Substitutes. World Wildlife Fund and The Conservation Foundation; subsequently published by the CITES Secretariat. (The Schreger pattern as a feature of proboscidean ivory.)
Huang, Z.; Chen, T.; Zheng, J.; Wang, D.; Xu, X. (2023). "Origins of Color in Brown Mammoth Ivory". Gems & Gemology, 59(2). Gemological Institute of America. (Iron and manganese minerals crystallised during burial as the cause of brown colouration.)
Khlopachev, G. A.; Gavrilov, K. N.; Bazilevich, L. O.; Saifieva, A. Y. (2025). "Ivory Bead Ornaments from the Sungir Paleolithic Site". Archaeology, Ethnology & Anthropology of Eurasia, 53(3): 36–44. DOI: 10.17746/1563-0110.2025.53.3.036-044. (Strings preserved in their original order; eight bead types; stringing techniques; parallels with contemporaneous sites in southern Germany.)
Pfeifer, S. J.; Hartramph, W. L.; Kahlke, R.-D.; Müller, F. A. (2019). "Mammoth ivory was the most suitable osseous raw material for the production of Late Pleistocene big game projectile points". Scientific Reports, 9: 2303. (Composition and mechanical properties of permafrost mammoth ivory compared with modern elephant ivory.)
Shen, M.; Lu, Z.; Xu, Y.; He, X. (2021). "Vivianite and Its Oxidation Products in Mammoth Ivory and Their Implications to the Burial Process". ACS Omega, 6(34): 22284–22291. DOI: 10.1021/acsomega.1c02964. (Vivianite formed by infiltrating iron reacting with the phosphate in the ivory, as the cause of blue colouration; yellowish-white dentine.)
Trinkaus, E.; Buzhilova, A. P. (2018). "Diversity and differential disposal of the dead at Sunghir". Antiquity, 92(361). (The Sunghir burials; numbers of mammoth ivory beads and armbands recovered.)
Vartanyan, S. L.; Garutt, V. E.; Sher, A. V. (1993). "Holocene dwarf mammoths from Wrangel Island in the Siberian Arctic". Nature, 362(6418): 337–340. (Survival of the last woolly mammoths on Wrangel Island until approximately 4,000 years ago.)